Ein paar Tage an der Nordsee
Eine Woche am Meer ist zwischendurch immer mal wieder gut. Zumindest dann, wenn man zu Hause eh keinen dichten Nebel im Birkenwald verpasst. Und ich glaube, den habe ich nicht verpasst? Falls doch, bitte nicht verraten… ;)
Jedenfalls war ich eine Woche an oder eher in der Nordsee. Auf Baltrum. Autofrei und ohne Fahrradverleih. Zum Glück funktionieren meine Beine ganz gut. Und zum Glück tun sie das auch nach den Tagen auf der Insel noch. Weil eins waren sie eindeutig nicht, die Tage: Urlaub für die Beine(*).
Was ich an solchen Inseln ja immer wieder toll finde, ist, dass man so viele Dinge dort fotografieren kann. Vögel, Landschaft, Wald oder Details (am Strand). Wer da fotografisch nicht fündig wird, der wird es wohl nirgendwo. Also zumindest wenn man sich für Natur interessiert.
Ich habe probiert von allem ein bisschen was zu fotografieren. Das wiederum hat dazu geführt, dass ich jeden Sonnenaufgang und (fast) jeden Sonnenuntergang zum Fotografieren benutzt habe. Ein bisschen Priorität hatten die Limikolen. Ich weiß nicht genau woran es liegt, aber sie sind und bleiben für mich einfach die Ragwurzen unter den Vögeln und ich war froh, als ich nach den ersten Tagen schon so zufrieden mit den Fotos war, dass ich mich dann doch noch anderen Dingen widmen wollte…
Das Highlight war eindeutig der stürmische Abend mit den Sandregenpfeifern, die vermutlich auch nicht viel mehr Spaß mit dem Sandstrahlgebläse hatten wie ich. Wobei ich hatte Spaß, aber wenn es zwei Sachen gibt, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass sie nicht miteinander kompatibel sind, dann sind das Sand und Kameras/Objektive.
Während ich morgens und abends eindeutig nichts dagegen gehabt hätte, wenn es komplett klar gewesen wäre und ich jeden Tag zweimal irgendwas mit der tiefstehenden Sonne hätte anfangen können, war ich ganz glücklich darüber, dass es zumindest tagsüber häufiger wolkig genug war, um Schatten auf meine Motive zu werfen. Harte Schatten und ich werden einfach nie Freunde werden.
Ich finde es immer wieder spannend, was sich alles so am Strand an Details finden lässt. Nicht nur die typischen Motive, wie Muscheln oder Strukturen durch das abfließende Wasser am Strand, sondern auch Dinge, die vielleicht auf den ersten Blick - und noch mehr vielleicht mit den ersten Gedanken - gar nicht so wirklich wie ein Motiv wirken. Tote Tiere. Aber auch die gehören am Strand immer wieder dazu. Quallen werden immer wieder angeschwemmt. Tote Vögel, Robben und sogar Fische sind eindeutig seltener, fotografisch aber nicht unbedingt weniger interessant.
Klassische Landschaft darf natürlich auch nicht fehlen. Baltrum hat(te) jetzt für mich zwar nicht unbedingt die fotogensten Dünen aller Zeiten, aber wenn man mit genug Weitwinkel fotografiert und ganz nah ans Motiv geht oder einfach mit etwas mehr Tele den richtigen Ausschnitt wählt, dann klappt es auch mit ein paar kleineren und hübschen Ausschnitten ganz gut.
Allerdings hat mir meistens das Wetter dazwischengefunkt. Das wirklich erste oder letzte Licht des Tages gab’s leider nicht oft. Halb so schlimm. Für ein paar nette Dünenimpressionen hat’s trotzdem gereicht. Ich mag diese hübschen Gebilde, die der Wind da baut, einfach.
Was ich gar nicht machen wollte. Wirklich! Unter gar keinen Umständen: Bäume oder gar Wald fotografieren. Aber, weil man dort auf der Insel ja alles zu Fuß machen muss (oder eher darf), kam es, wie es kommen musste: Ich habe ein paar nette Bäume gefunden. Viele nette Bäume sogar. Einen Birkenwald, auf den ich nachhaltig neidisch bin und der mich dazu bringt, dass ich wirklich gerne einfach mal zwei oder drei Jahre auf der Insel verbringen würde, damit ich ihn im Nebel erwischen kann… ;)
Wobei ehrlich gesagt, ich würde auch ohne so einen Birkenwald mal zwei oder drei Jahre auf einer Insel verbringen wollen. Irgendwie fühlt sich das Leben dort oft etwas langsamer und kompatibler mit mir an. Der Birkenwald im Nebel wäre dann nur ein guter Grund das wirklich zu machen…
Und natürlich, wenn man schon am Meer ist, dann dürfen die klassischen Details auch nicht fehlen. Wenn man den Blick nach unten wendet und einfach mal etwas aufmerksam schaut, was da so alles am Boden in Sachen Strukturen und Details zu finden ist, dann wird man immer wieder überrascht. Besonders dann, wenn die tiefstehende Sonne auch noch die kleinsten Unebenheiten am Boden herausarbeitet.
Aber auch “ohne” Licht finde ich es immer wieder cool, was man da so alles finden kann. Ich glaub damit könnte ich auch Tage verbringen. Wahrscheinlich würde mich irgendwann die Flut überraschen, weil ich vergesse mal den Blick wieder in die Horizontale zu richten.
Am Mittwoch kommt übrigens das Video zu den Tagen an der Nordsee. Knapp über 34 Minuten Nordsee inklusive noch mehr Fotos als hier. Masse statt Klasse! Oder auch nicht? Jedenfalls ein Video mit 42 Fotos, sowas gab’s abseits meiner Jahresrückblicke auch noch nicht von mir zu sehen.
(*) Es waren angeblich 176.644 Schritte in sieben Tagen!

