Abends und morgens beim Waldkauz

Gestern Abend zum Sonnenuntergang und heute Morgen zum Sonnenaufgang habe ich einige Stunden beim Waldkauz verbracht. Ich wollte einfach nochmal vorbeischauen, so lange die Miniermotte noch nicht das gesamte Laub der Kastanien in Spätherbst verwandelt hat. Ob der Kauz überhaupt da ist, was die Sonne machen wird und was sonst noch alles so passieren wird, wusste ich natürlich nicht. Ist aber ja auch alles nicht ganz so wichtig, wenn das Motiv in 15 Minuten mit dem Fahrrad erreichbar ist.

Wenig überraschend, den Blogbeitrag würde es wohl nicht geben, wenn der Kauz nicht da gewesen wäre: Der Kauz war da. Und nicht nur das. Als es langsam dunkler wurde, kam sogar noch ein zweiter Waldkauz dazu. Das wusste ich bisher nicht. Der saß dann eine ganze Weile am selben Baum in einem Ast oberhalb der Höhle und ist irgendwann wieder weggeflogen. Zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang hat der altbekannte Kauz dann auch den Abflug gemacht. Das klingt total langweilig: Da steht man rum, die Kamera mit Teleobjektiv am Stativ und man wartet darauf, dass irgendwas passiert. Was zumindest bei Waldkäuzen meistens nicht der Fall ist. Erst recht nicht, wenn sie nicht gerade Nachwuchs haben. Gibt ja einen Grund, wieso ich sie so gerne habe. Es gibt einfach wenig Tiere, die Bäumen ähnlicher sind. Weil die tun auch nicht viel. ;)

Trotzdem ist es aber total spannend. Da schaut der Kauz auf einmal minimal in eine andere Richtung und dann gibt es für einen kurzen Moment eine Reflektion des letzten Abendlichts in seinem Auge. Plötzlich wirkt so ein Foto “ohne” Licht dann doch ziemlich lebendig. Das hat schon was. Vermutlich sind das so kleine Unterschiede, die die Mehrheit der BetrachterInnen überhaupt nicht bewusst bemerken würde. Aber unbewusst sind es glaube ich die Dinge, die oft den Unterschied ausmachen und dieses, von außen oft ziemlich langweilige Abwarten doch rechtfertigen. Und wenn nicht, auch egal. An Es braucht ja sowieso keine Rechtfertigung für sowas, man macht’s einfach. Oder halt auch nicht.

Das Highlight des Abends war aber trotzdem das Aufeinandertreffen der beiden Vögel. Mir hat der Kauz immer etwas leid getan, so ganz alleine in der Welt in seiner Höhle. Ich dachte mir, dass er halt schon bisschen alt ist und vielleicht inzwischen alleine durch die Welt fliegt (oder eher hockt). Und dann taucht da doch plötzlich jemand anderes auf und setzt sich zu ihm. Das war schön. Danke! Jetzt frage ich mich allerdings auch, wo der zweite Kauz tagsüber sitzt und ob es vielleicht Jungvögel gab und vielleicht nächstes Jahr wieder geben wird.

Wie dem auch sei. Langsam genug geschrieben. Deshalb nur noch das: Was bei Sonnenuntergang nicht geklappt hat in Sachen Licht, hat bei Sonnenaufgang übrigens geklappt. Der Kauz saß plötzlich im Licht der noch recht tiefstehenden Sonne. Hatte zwar nicht das Gefühl, dass er das besonders genossen hat, aber fürs Foto war’s gut. Und es war eh nur kurz. ;)

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